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Faszination Handy - was Eltern beachten sollten

Faszination Handy – Was Eltern beachten sollten

Faszination Handy – Was Eltern beachten sollten

Handys sind heute fast nicht mehr weg zu denken. Nebst Chancen bergen sie leider auch viele Risiken. Daher ist es wichtig, den Kindern beizubringen, wie man sicher damit umgeht – vergleichbar mit der Verkehrsschulung im Strassenverkehr. Kinder haben noch keine eigene Selbstregulierung (die Reifung des Frontallappens im Gehirn ist noch nicht abgeschlossen). Nicht verwunderlich also, dass es ihnen schwer fällt, Grenzen bezüglich der Nutzungsmenge einzuhalten.

Es liegt an uns Eltern, die Kinder bezüglich digitaler Medien zu begleiten, nicht nur in Sache Menge, sondern auch in punkto Sicherheit. Grenzen setzen reicht da oft nicht aus – es braucht liebevoll-konsequente Kontrolle und Folgen bei nicht Einhalten der gemeinsam festgelegten Abmachungen.

Strafen und Belohnungen machen das Handy noch attraktiver

Kürzlich wurde ich von einem Eltern-Paar gefragt, ab welchem Alter ich Handys für Kinder empfehlen würde. Sie hätten sich überlegt, ihrer 11-jährigen Tochter, (welche sie richtiggehend bezüglich Handykauf terrorisierte), ein Handy zu kaufen, damit sie etwas in der Hand hätten, wenn sie sie bestrafen wollten.

Erstens sind Strafen grundsätzlich ein Problem. Sie sind abschreckend, erniedrigend, verletzend und nutzen sich mit der Zeit ab. Ausserdem bleibt der Lerneffekt aus, denn Strafen unterdrücken höchstens das unerwünschte Verhalten und haben mit diesem meist nichts zu tun. Wenn ich also meinem Kind, weil es frech war, das Handy zwei Wochen lang entziehe, hat das mit dem Verhalten nichts zu tun. Da diese Massnahme eher der  Beziehungsqualität schadet, wird das Kind auch keine Lust haben, zu kooperieren. Das leuchtet vielen Eltern ein. Allerdings erlebe ich auch viele Fälle, in denen den Kindern Handyzeit als Belohnung für gutes Verhalten in Aussicht gestellt wird. In beiden Fällen, ob bei Bestrafung oder Belohnung, erhält das Handy eine ganz wichtige Stellung. Wenn wir darauf verzichten, das Handy als erzieherisches Mittel zu missbrauchen, wird es deutlich an Attraktivität verlieren.

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Das Handy gehört nachts nicht ins Kinderzimmer

Die MIKE Studie (Medien, Interaktion, Kinder, Eltern), welche 2018 in der Schweiz publiziert wurde, zeigt u.a. folgende Ergebnisse: ¼ der 6- bis 9-Jährigen haben bereits ein eigenes Smartphone. Bei den 10- bis 11-Jährigen sind es schon 2/3 und 4/5 bei den 12- bis 13-Jährigen.
Die Studie zeigt auch, dass 35 % der Kinder mit eigenem Handy dieses mindestens einmal pro Woche dann nutzen, wenn sie eigentlich schlafen sollten.

Es ist besonders wichtig, dass Kinder 30 Min vor dem Schlafen kein Handy mehr benutzen – und zwar nicht wegen der Games, sondern, weil das blaue Bildschirmlicht eine Verzögerung der Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin verursacht. Handys gehören nachts aus dem Kinderzimmer, am besten in ein gemeinsames Familien-Handykörbchen oder an eine gemeinsame Ladestation.

3 Bereiche, die im Umgang mit dem Handy Begleitung brauchen

  • Dauer: Bildschirmzeiten
  • Inhalte: Filme, Games, Apps, Chaträume, etc.
  • Daten: Datenschutz

Die Dosis macht das Gift

Kinder vor 4 Jahre sollte möglichst wenig Bildschirmmedien konsumieren, da ihr Gehirn für die Entwicklung sehr viele Sinneserfahrungen braucht. Die kleinen Kinder können die schnellen Bildfolgen in ihrem Gehirn noch nicht verarbeiten. Eine amerikanische Studie an jungen Mäusen zeigt, dass der frühe Konsum der Bildschirmmedien den Hippocampus (Bereich, der für das Gedächtnis zuständig ist)
im Gehirn unwiederbringlich beeinträchtigen kann: Es werden keine neuen Zellen gebildet.

Sicherheitseinstellungen und die App-Wahl.

Nicht jeder Inhalt ist für kleine Kinder geeignet. Das Handy sollte man daher sicherheitshalber auf Flugmodus stellen. Bei der App-Wahl, ist darauf zu achten, dass keine In-App-Käufe möglich sind (Apps müssen werbefrei sein). Die Apps sollten altersgerecht und, je jünger die Kinder, desto ruhiger in der Bildabfolge sein. Zudem sollte Appstore dringend mit einem Kennwort geschützt werden, das die Kinder nicht kennen. Bewertungen zu Apps + Altersempfehlungen gibt es auf der Datenbank vom Deutschen Jugend Institut.

Auf Youtube gibt es viele Zeichentrickfilme, allerdings auch Vieles, was absolut nicht für Kinder bestimmt ist. Daher empfiehlt es sich, die Youtube Kids App zu nutzen: Die Inhalte sind speziell auf Kinder ausgerichtet und die Eltern haben die Möglichkeit, die Dauer der Appnutzung einzustellen. Aber: es gilt zu bedenken, dass die Youtube Kids App nicht werbefrei ist.

Filtersoftware ersetzen keine Aufklärung

Es kann für Kinder sinnvoll sein, eine Filtersoftware zu installieren, vor allem wenn ein Kind schon unter 12 Jahren ein eigenes Smartphone haben sollte. Es gilt aber zu bedenken, dass die Kinder, je älter sie werden, sich sehr schnell auf Youtube informieren werden, wie man diese Filtersoftware deinstallieren kann. Daher ist von Anfang an wichtig, in Dialog zu bleiben, und die Kinder aufzuklären, z.B., dass sie nie Kontaktanfragen von Personen annehmen sollen (z.B. in Chaträumen von Games), die sie aus dem realen Leben nicht kennen.

Mediennutzung statt Medienkonsum

Es ist ein deutlicher Unterschied, ob die digitalen Medien nur zur Unterhaltung konsumiert oder als Werkzeug genutzt werden. Es lassen sich schon vor der Einschulung tolle Ideen mit den digitalen Medien umsetzen, wie z.B. das Nachkochen eines Rezeptes oder Suchen von Bastelideen, das Bearbeiten von Film- und Bildmaterial, etc. Wenn es darum geht, die Kinder etwas recherchieren zu lassen, empfiehlt es sich, statt mit Google, mit Kindersuchmaschinen zu arbeiten. Diese sind werbefrei und bieten in einem geschützten Rahmen speziell für Kinder aufbereitete Themen. Eine ausgezeichnete Kindersuchmaschine ist z.B. : www.blindekuh.de 

Der Handykonsum der Eltern – nicht nur eine Frage der Vorbildfunktion

Vor wenigen Jahren war es noch so, dass der Umgang mit den digitalen Medien fast ausschliesslich ein Problem der Jugendlichen war. Seit Erfindung des Smartphones 2007 haben die Eltern dramatisch aufgeholt. Eine britische Studie zeigt, dass Eltern im Schnitt 88x am Tag auf das Handy kucken (dh. etwa alle 10 Minuten). Schlimm ist diese Tatsache vor allem im Zusammenhang mit Babys und Kleinkindern, welche die volle Aufmerksamkeit der Eltern bräuchten. Das Handy wird nicht etwas nur auf dem Spielplatz und beim Spazieren genutzt, sondern auch beim Stillen, beim Füttern, beim Wickeln. Die neuesten Entwicklungen zeigen, dass bei Kindern, welche zu wenig Blickkontakt und emotionale Zuwendung wegen des Handykonsums der Eltern erfahren, Bindungsstörungen, Sprachentwicklungsverzögerungen und Depressionen im Kleinkindalter entstehen. Es geht hier also nicht nur um die Vorbildfunktion der Eltern bezüglich Umgang mit dem Handy, sondern um Folgeschäden, die beängstigend sind.