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Ermutigung und Überwindung: Gedanken zu zwei filmischen Meisterwerken

Ermutigung und Überwindung: Gedanken zu zwei filmischen Meisterwerken

Ich liebe Filme. Und unter den vielen, die ich im Laufe der Jahre gesehen habe, stehen zwei ganz oben auf meiner Liste: „Ziemlich beste Freunde“ und „The King’s Speech“. Als jemand, der sich leidenschaftlich mit der Interpretation von Filmen und Literatur beschäftigt, schätze ich die therapeutische und transformative Kraft, die in diesen Geschichten steckt. Die beiden Filme sind nicht nur Unterhaltung; sie sind Fenster zu tiefen menschlichen Erfahrungen und psychologischen Einsichten.

Kurzer Überblick

„Ziemlich beste Freunde“ ist ein herausragender Film aus dem Jahr 2011, der auf einer wahren Geschichte basiert. Die Handlung dreht sich um Philippe, einen wohlhabenden Pariser Aristokraten, der aufgrund eines Unfalls vom Hals abwärts gelähmt ist und einen Pfleger sucht. Driss, ein junger Mann aus den Pariser Vororten, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, bewirbt sich zunächst aus rein pragmatischen Gründen: Er möchte eine Unterschrift für seine Arbeitslosengeldanträge erhalten. Doch was als rein geschäftliche Beziehung beginnt, entwickelt sich rasch zu einer tiefen und außergewöhnlichen Freundschaft.

„The King’s Speech“ ist ein preisgekrönter Film aus dem Jahr 2010, der die wahre Geschichte von König George VI. von Großbritannien erzählt. Der König leidet unter schwerem Stottern und muss plötzlich den Thron besteigen, nachdem sein Bruder abdankt. Dabei spielt der australische Sprachtherapeut Lionel Logue eine zentrale Rolle, der dem König mit unkonventionellen Methoden und einer engen, vertrauensvollen Beziehung hilft, sich seinen Ängsten zu stellen und sein Sprachproblem zu überwinden. Durch diese intensive Zusammenarbeit entwickelt sich eine enge Freundschaft zwischen ihnen.

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Die Macht der Ermutigung

Die Individualpsychologie von Alfred Adler (1870-1937) lehrt, dass alle Menschen ein angeborenes Minderwertigkeitsgefühl haben, das sie dazu antreibt, sich selbst zu übertreffen. Ein zentrales Konzept in Adlers Theorie ist die Ermutigung, die als entscheidender Faktor dient, um dieses Minderwertigkeitsgefühl zu überwinden und ein Gefühl der Gleichwertigkeit und Zugehörigkeit zu entwickeln.

In beiden Filmen sehen wir diese Prinzipien in Aktion.

Die zentrale Dynamik zwischen Philippe und Driss in „Ziemlich beste Freunde“ ist geprägt von Gleichwertigkeit und gegenseitiger Ermutigung. Trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Hintergründe behandeln sie einander auf Augenhöhe und finden in ihrer Freundschaft eine Quelle der Inspiration. Driss ermutigt Philippe, sein Leben in vollen Zügen zu genießen und die Welt trotz seiner Behinderung zu erkunden, während Philippe Driss dazu inspiriert, Verantwortung zu übernehmen und sein eigenes Potenzial zu erkennen.

Anfangs zeigt Driss, der die Stelle nur aus finanziellen Gründen angenommen hat, allerdings wenig Geduld für Philipps Bedürfnisse. Doch im Verlauf des Films macht er eine beeindruckende Entwicklung durch. Er wird nicht nur ein aufmerksamerer Pfleger, sondern auch ein einfühlsamer Freund. Driss erkennt in Philippe den Menschen hinter der Behinderung und ermutigt ihn, die Freuden des Lebens zu entdecken.

Philippe lebt anfangs in emotionaler Isolation, die durch seine Behinderung verstärkt wird. Er versteckt sich hinter einer Fassade der Distanziertheit und Bedürfnislosigkeit. Doch durch Driss‘ unkonventionelle Herangehensweise und humorvolle Art bricht Philippe aus seiner Komfortzone aus. Er entwickelt eine neue Lebenseinstellung und wird mutiger und offener gegenüber anderen Menschen.

Die gegenseitige Ermutigung zwischen den beiden Charakteren ermöglicht es ihnen, zu wachsen und ihre Stärken zu entdecken.

Ganz ähnlich, ist es bei „The King’s Speech“:

Von Beginn an behandelt Lionel Logue den König mit tiefem Respekt, aber ohne die Ehrfurcht, die üblicherweise mit königlichen Titeln einhergeht. Er spricht ihn auf Augenhöhe an und verwendet den vertrauten Spitznamen „Bertie“. Dies schafft eine Atmosphäre des Vertrauens, in der sich der König öffnen und seine Schwächen offenlegen kann.

Lionel Logue zeigt eine außergewöhnliche Empathie und Geduld gegenüber dem König. Er erkennt die tief verwurzelten emotionalen Ursachen für das Stottern und unterstützt Bertie dabei, diese zu bewältigen. Logue ermutigt den König, seine Ängste und Unsicherheiten zu überwinden, und steht ihm während dieses Prozesses bedingungslos zur Seite.

Sie arbeiten gemeinsam an Übungen und Techniken, um das Stottern zu überwinden. Logue respektiert zwar die persönlichen Grenzen des Königs, fordert ihn jedoch gleichzeitig heraus und ermutigt ihn, über sich selbst hinauszuwachsen. Diese gleichwertige Herangehensweise ermöglicht es George VI., sein Stotterproblem zu überwinden und sein Selbstvertrauen als Führer des Landes wiederzufinden.

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Filme, Literatur und ihre transformative Kraft

Für viele von uns, mich eingeschlossen, sind Filme und Literatur mehr als nur eine Flucht aus der Realität. Sie können therapeutisch sein und als Katalysator für Veränderungen in unserem eigenen Leben dienen. Die Geschichten, die sie erzählen, spiegeln oft unsere eigenen Erfahrungen und Ängste wider und bieten Lösungen oder Perspektiven, die wir möglicherweise übersehen haben.

Philippe und Driss sowie King George und Lionel bieten uns die Möglichkeit, die Macht der Ermutigung in der Überwindung von Minderwertigkeitsgefühlen zu erkennen. Ihre Geschichten sind lebendige Beweise dafür, dass durch Ermutigung und Gleichwertigkeit persönliche Barrieren überwunden werden können.

Fazit

„Ziemlich beste Freunde“ und „The King’s Speech“ gehören zu meinen Lieblingsfilmen, nicht nur wegen ihrer herausragenden Darstellung und fesselnden Geschichten, sondern auch wegen der tiefen psychologischen Einsichten, die sie bieten.

Ich glaube fest daran, dass Filme und Literatur die Kraft haben, zu inspirieren und zu transformieren. Diese beiden Filme sind grossartige Beispiele dafür. Sie zeigen uns, wie Ermutigung und Gleichwertigkeit als starke Instrumente dienen können, um Minderwertigkeitsgefühle zu überwinden und uns zu besseren Versionen von uns selbst zu machen. Sie erinnern uns daran, die transformative Kraft der Geschichten, die wir lieben, zu schätzen und zu nutzen.

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