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9 Gründe, warum viele Schüler keine Hilfe holen, wenn sie gemobbt werden

Mobbing ist eine traurige Realität, der sich viele Schüler:innen täglich stellen müssen. Diese belastende Erfahrung kann tiefe psychologische Spuren bei den Betroffenen hinterlassen. Erschreckend ist jedoch, dass viele Mobbingopfer gar nicht erst versuchen, sich Hilfe zu holen. Doch was steckt hinter dieser Zurückhaltung? Dieser Artikel beleuchtet 9 Hauptgründe, die das Schweigen der Betroffenen verständlich machen.

1. Angst vor Verschlimmerung und Vergeltung

Viele Schüler:innen fürchten, dass eine Meldung von Mobbing zu einer Eskalation oder zu Racheaktionen der Täter:innen führt. Die Mobbing-Betroffenen sind besorgt, dass Eingriffe der Schule das Problem verschärfen könnten, insbesondere bei konfrontativen oder strafenden Ansätzen. Daher ziehen es manche vor zu schweigen und hoffen, dass das Mobbing von allein aufhört.

2. Angst, als Petze zu gelten

In der schulischen Gemeinschaft wird das Label “Petze” oft verpönt. Die Angst, von Mitschüler:innen als illoyal angesehen und dadurch ausgegrenzt zu werden, kann so groß sein, dass sich Opfer trotz ihres Leidens dazu entscheiden, zu schweigen.

3. Stigmatisierung als „Opfer“ oder „Schwach“

Niemand will als das “Opfer” oder das “schwache Glied” betrachtet werden. Diese Angst, in der Schule als “schwach” gebrandmarkt zu werden und sich dadurch noch verletzlicher oder anfälliger für zukünftige Angriffe zu fühlen, kann ein entscheidender Faktor sein, der gewisse Mobbingopfer daran hindert, ihre Geschichten zu teilen.

4. Misstrauen gegenüber Lehrkräften und Schulpersonal 

Manche Betroffene vertrauen Lehrkräften und Schulpersonal nicht genug, um Mobbing zu melden. Dieses Misstrauen rührt oft von schlechten Erfahrungen her. Zum einen kann es sein, dass das Vertrauen verletzt wurde, weil ohne Wissen oder Zustimmung des Opfers gegen die Mobber:innen vorgegangen wurde. (Da Mobbing bereits einen Kontrollverlust darstellt, verschärft dies die Situation für den betroffenen Schüler.) Zum anderen kann das Misstrauen durch unzureichende oder falsche Reaktionen der Schule auf Mobbingfälle entstehen.

Gemeinsam gegen Mobbing vorgehen

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5. Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird 

Einige Schüler:innen befürchten, dass ihre Erfahrungen mit Mobbing ohnehin heruntergespielt oder ignoriert werden. Diese Befürchtungen können durch den Glauben oder bereits gemachte Erfahrungen verschärft werden, dass die Schuld letztendlich beim Opfer selbst gesucht wird. Aus diesem Grund ziehen diese Betroffenen vor, zu schweigen, anstatt ihre Situation offen anzusprechen.

6. Scham

Sei es durch „klassisches“ Mobbing oder durch Cybermobbing – das Eingeständnis, gemobbt zu werden, kann tiefgreifende Schamgefühle auslösen. Insbesondere bei digitaler Verbreitung intimer Informationen ziehen es manche Opfer vor, das Problem geheim zu halten, anstatt Hilfe zu suchen.

7. Hoffnungslosigkeit

Einige Schüler:innen fühlen sich in einer endlosen Spirale des Mobbings gefangen und glauben, dass ihre Situation unveränderlich ist. Dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Resignation kann sie daran hindern, Hilfe zu suchen, weil sie das Gefühl haben, dass sich ohnehin nichts ändern wird.

8. Angst vor der Überreaktion der Eltern

Schüler:innen, die von Mobbing betroffen sind, scheuen oft davor zurück, ihre Eltern zu informieren. Sie befürchten, dass die Eltern aus Sorge emotional und voreilig handeln könnten. Zum Beispiel, indem sie unüberlegt in die Schule stürmen oder das Problem mit den Eltern der Mobber:innen besprechen, was die Situation häufig noch komplizierter macht.

9. Angst vor elterlicher Enttäuschung und strengen Massnahmen

Einige Schüler:innen haben Bedenken, sich ihren Eltern anzuvertrauen, besonders wenn sie Formen des Cybermobbings wie Sexting oder Sextortion erleben – insbesondere, wenn sie von den Eltern zuvor über solche Gefahren aufgeklärt wurden. Sie fürchten, dass die Eltern aus Enttäuschung oder Wut reagieren und strenge Maßnahmen, wie die Konfiszierung des Handys, treffen könnten.

Fazit

Mobbing ist mehr als nur ein episodisches Problem; es ist eine ernsthafte Bedrohung für das Wohlbefinden unserer Schüler:innen. Eine effektive Reaktion erfordert sowohl proaktive Maßnahmen der Schulen als auch das Engagement der gesamten Gemeinschaft. Durch Einrichtungen wie vertrauliche Briefkästen und anonyme Meldesysteme können Schüler:innen ermutigt werden, sich auszudrücken, ohne Angst vor Repressalien zu haben. Doch solche Mechanismen allein reichen nicht aus. Es ist unerlässlich, ein Umfeld zu schaffen, in dem Opfer spüren, dass sie gehört werden und ihre Ängste anerkannt sind.

Unsere kollektiven Bemühungen sollten nicht nur auf die Schulen beschränkt sein. Eltern, außerschulische Organisationen und die Schüler:innen selbst haben eine entscheidende Rolle dabei, ein unterstützendes Netzwerk zu bilden. Eine tiefgreifende Sensibilisierung und Bildung sind erforderlich, um das Bewusstsein für die Nuancen und den Schaden von Mobbing zu schärfen.

In der Erkenntnis der komplexen Ängste und Herausforderungen, denen sich Mobbingopfer gegenübersehen, finden wir die Wege, sie am effektivsten zu unterstützen. Der erste Schritt in diese Richtung ist es, das Schweigen zu durchbrechen und eine Umgebung zu schaffen, in der jede:r Schüler:in sich sicher, geschätzt und unterstützt fühlt.