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Die Kraft des Vertrauens: 3 Filme über die Entfaltung «schwieriger» Kinder

Die Kraft des Vertrauens: 3 Filme über die Entfaltung «schwieriger» Kinder

Schnelle Urteile und vorschnelle Etikettierungen sind heute weit verbreitet. Dies führt dazu, dass Kinder und Jugendliche oft missverstanden werden. Das auffällige Symptomverhalten eines Kindes, sei es Aggressivität, Rückzug oder Rebellion, wird oft an der Oberfläche bewertet, ohne die tieferen Bedürfnisse und Emotionen zu erkennen, die dieses Verhalten antreiben. Eltern, Lehrkräfte und andere Erwachsene sehen oft nur das, was vor ihnen liegt und übersehen dabei die stummen Schreie nach Verständnis und Annahme.

Drei meiner Lieblingsfilme, „Les Choristes“ („Die Kinder des Monsieur Mathieu„), „Dangerous Minds“ und „Freedom Writers“, greifen genau dieses Thema auf und zeigen eindrücklich, wie Transformation geschieht, wenn man den Mut hat, hinter die Fassade zu blicken.

«Les Choristes»: Musik statt strenge Disziplin

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Frankreich nach dem Krieg. Clément Mathieu, ein talentierter Musiker, tritt seine neue Stelle in einem strengen Internat für schwer erziehbare Jungen an. Anstatt sich der rigiden Disziplin zu unterwerfen, entscheidet sich Mathieu, die Jungen über die universelle Sprache der Musik zu erreichen.

Durch die Gründung eines Chores gelingt es ihm, die Herzen der Jungen zu öffnen. Er glaubt an sie, sieht ihr Potential und gibt ihnen, wortwörtlich, eine Stimme. Das Lied, das sie singen, wird zu einem Symbol ihrer Transformation und ein Beweis dafür, dass Menschen wachsen, wenn man das Gute in ihnen sieht.

„Dangerous Minds“: Kämpfen gegen alle Widrigkeiten

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LouAnne Johnson, eine ehemalige Marineoffizierin, beginnt als Lehrerin an einer Schule, die von Gewalt, Drogen und Armut betroffen ist. Sie lässt sich von dieser schwierigen Umgebung nicht entmutigen. Stattdessen setzt sie innovative Unterrichtsmethoden ein, um ihre Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Sie zeigt ihnen, dass sie mehr als ihre Umstände sind.

Johnson stellt fest, dass viele ihrer Schülerinnen und Schüler entmutigt, oft missverstanden und von der Gesellschaft im Stich gelassen werden. Sie widmet sich ihren Geschichten und glaubt an sie. Dadurch schafft sie es, positive Veränderungen in ihren Leben zu bewirken.

„Freedom Writers“: Geschichten, die verändern

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Erin Gruwell, dargestellt von Hilary Swank, tritt ihre neue Lehrerstelle in Long Beach, Kalifornien, an. Sie entdeckt bald, dass ihre Klasse von Rassenunruhen, Bandenkriegen und tiefem Misstrauen gezeichnet ist. Anstatt aufzugeben, entscheidet sie sich, die Schülerinnen und Schüler durch das Schreiben zu erreichen. Sie ermutigt sie, Tagebücher über ihr Leben zu führen.

Daraus entstehen die „Freedom Writers“. Indem sie ihre Geschichten miteinander teilen, beginnen die Schülerinnen und Schüler, einander zu verstehen. Sie hinterfragen ihre vorgefassten Meinungen und Vorurteile. Gruwell hilft ihnen zu erkennen, dass ihre Geschichten Bedeutung haben und dass sie trotz aller Schwierigkeiten ihr Leben verändern können. Dieser Film basiert übrigens auf einer wahren Geschichte.

Das wahre Potential sehen: Eine Reflexion

Der gemeinsame Nenner in all diesen Filmen ist die Präsenz einer Lehrperson, die sich weigert, das Etikett „störend“ oder „hoffnungslos“ auf die Schülerschaft zu legen. Stattdessen sehen sie das wahre Potential dieser Kinder, das oft von Traumata, Umweltfaktoren oder einfach von der Unfähigkeit der Erwachsenen, wirklich zuzuhören, überschattet wird.

«Es gibt keine störenden Kinder, nur entmutigte.» Rudolf Dreikurs

Die Worte des Psychiaters Rudolf Dreikurs hallen in diesen Geschichten wider. Kinder handeln oft aus Entmutigung heraus, und es ist unsere Pflicht als Pädagog:innen und Eltern, hinter das offensichtliche Verhalten zu blicken. Es ist notwendig, die Wurzeln ihrer Entmutigung zu erkennen und ihnen zu helfen, ihr wahres Potential zu finden.

Die Wandlung, die in «Les Choristes», «Dangerous Minds» und «Freedom Writers» dargestellt wird, ist nicht nur beeindruckend, sondern auch real. Es sind Geschichten, die uns daran erinnern, dass Veränderung möglich ist, selbst in den schwierigsten Umgebungen. Es erfordert Engagement, Liebe, Geduld und vor allem den Glauben an das Gute in jedem Einzelnen.

Fazit

In einer Zeit, in der Bildung häufig nur auf Wissensvermittlung reduziert wird, lenken diese Filme unseren Blick auf das wahre Wesen des Lehrens zurück. Sie erinnern uns daran, dass es im Kern um Beziehungen, Vertrauen und das Erkennen des unschätzbaren Werts jedes Einzelnen geht. Kinder, die sich gesehen und verstanden fühlen – jenseits ihres sichtbaren Symptomverhaltens, welches oft nur eine Kompensationsstrategie ihrer Entmutigung ist – fühlen sich gleichwertig und zeigen kooperatives Verhalten. Wer sich gleichwertig und wertgeschätzt fühlt, sieht keine Notwendigkeit, andere herabzusetzen oder negativ herauszustechen.

Das bedeutet, dass wahre Kooperation nicht durch das strikte Aufstellen und Überwachen von Regeln erreicht wird. Es geht vielmehr darum, durch Ermutigung, echte Wertschätzung und aufrichtiges Interesse ein Umfeld zu schaffen, in dem jeder Einzelne aufblühen kann. In solch einem Umfeld erübrigt sich das Bedürfnis zu kompensieren oder negativ aufzufallen, denn jeder fühlt sich als wertvoller und geschätzter Teil des Ganzen.

Diese drei Filme hatten mich damals in meinen Lehrerjahren tief berührt. Sie haben nicht nur meine pädagogischen Ansichten inspiriert, sondern auch bestätigt, dass das Herzstück des Lehrens weit über den reinen Wissenserwerb hinausgeht. Mögen wir alle von diesen Filmen inspiriert sein und das unermessliche Potential in jedem von uns (auch herausfordernden Kindern) erkennen.